
Carlos Frischmuth am 11. Juni 2026 zum zehnjährigen Jubiläum des Bundesverbands für selbständige Wissensarbeit (es gilt das gesprochene Wort):
„10 Jahre – Bundesverband für selbständige Wissensarbeit.
10 Jahre – politische Arbeit für mehr Anerkennung von Selbständigkeit.
10 Jahre – Verbandsarbeit für mehr Rechtssicherheit für Auftraggeber, Projektdienstleister, Intermediäre und Auftragnehmer
10 Jahre – …Das ist eine lange Zeit.
Ich freue mich dass Sie/dass Ihr heute hier seid um unser Jubiläum mit uns zu gemeinsam feiern!
Ich will damit beginnen heute nur kurz über mein persönliches „Erweckungserlebnis“ berichten, welcher gewiss auch ein Teil der Gründungsgeschichte dieses Verbandes ist. Die weiteren Gründungsmitglieder haben gewiss ähnliche „Aktivierungs-Momente“ zu berichten. Das ist bis heute die Grundlage für das starke ehrenamtliche Engagement, welches wir bis heute in unserem Verband leben.
Aber kurz zu meiner eigenen Geschichte in unserer Sache:
im Jahr 2011 war ich eingeladen bei einem ThinkTank von Professor Norbert Szyperski in der „Sylter Runde“. Einer der Initiatoren ist mit Dr. Frank Schmitz auch heute hier – Hallo Frank….schön dass Du da bist.
Ein Thema durfte ich selbst einbringen und das war die Frage oder Herausforderung, warum vor allem selbständigen Experten der Zugang zu Projekten der Öffentlichen Hand so schwer gemacht wird und wie wir diese Lage verbessern könnten. Nach 2 intensiven Tagen der Diskussion sagte Professor Szyperski in einer relativ nüchternen Analyse quasi nebenbei, dass die Gruppe der Freelancer und Wissensarbeiter einfach keine Lobby und selbstständigen hat und niemand die Zusammenhänge in Politik und Verwaltung richtig versteht. Man müsste es erklären und das müssen diejenigen machen, welche die Herausforderung komplett verstehen. Mehr oder weniger wortwörtlich war die Botschaft: „Carlos, da hast Du dann einen Auftrag wenn es sonst keiner macht…“.
Soweit so gut. Wir gingen auseinander und das Thema ruhte erstmal die nächsten Jahre. Bis ins Jahr 2015. Aus dem von Andrea Nahles geführten Arbeitsministerium kam ein Referentenentwurf auf den Tisch, der eigentlich das Ziel verfolgte, die Arbeitnehmerüberlassung weiter zu regulieren. Aber trotz diesem Schwerpunkt wurde dabei schnell klar, dass eine 1:1 Umsetzung massive Kollateralschäden im Bereich der Selbständigkeit auslösen würde. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen – aber vielen Auftraggebern, den Selbständigen, der reifen Gruppe von Projektdienstleistern und Agenturen, wurde schnell klar, dass der gesamte Markt stark beschädigt werden könnte, wenn es zu einer falschen Umsetzung käme.
Wir gründeten daraufhin recht schnell die Allianz für den Einsatz selbständiger Wissensarbeit mit dem Akronym ADESW aus dem dann später der Verband wurde.
An dieser Stelle möchte ich einen ganz grossen Dank vor allem an unsere mutigen und großzügigen Gründungsmitglieder und weiteren Unterstützer richten. Wir schalteten schnell um in einen echten Kampagnenmodus wie es selbst wenige institutionalisierte Verbände schaffen und gingen direkt in einen Frontalangriff gegen die Regierung und vor allem das BMAS und auch der Ministerin Nahles. Die Kampagne „Experten Arbeit retten“ war frech, gewiss auch aggressiv und äußerst agil. Und sie war am Ende erfolgreich weil wir Schlimmeres verhindern konnten. Wissensarbeit in Selbständigkeit, „freie Experten“ – so unser vereinfachtes Wording für die Gesamtgruppe – wurde nicht zerstört, wenn auch nicht zu vernachlässigende Folgeschäden dahinter entstanden sind.
Wir gewannen als Verbandsnewcomer noch in Stadium einer Allianz im Nachgang zwei Preise für diese Kampagne, auf die wir auch heute noch sehr stolz sind. Grosser Dank an das damalige Blumberry Team mit Dr. Lutz Meyer, Gerald Selch und Amil Hota. Ihr findet die Details mit noch mehr Geschichten und natürlich Bildern der gewitzten Kampagne dazu übrigens in unser kleinen Broschüre, die wir anlässlich des Jubiläums gedruckt haben. Die Broschüre ist als Geste des Dankes an unsere Mitglieder zu verstehen – grossen Dank an Euch!!! – aber natürlich auch an unsere Partnerverbände und langjährigen Wegbegleiter wie dem DDIM, DBITS, VGSD, BVAU, Bitkom, BVBC, BVMW, BAGSv, dem BDU und dem VDMA. Ich nenne euch namentlich hier nicht, aber wir sehen euch, schön dass einige von Euch trotz dichter Terminkalender auch heute hier sind. Das schätzen wir sehr. Wenn ihr auf die Broschüre schaut, dann seht ihr auf dem Cover den Slogan unserer Dauerkampagne „I love Selbständigkeit“. Zeitlos, einfach und gut und genial. Lieben Dank an Antje Besser und Team, welche das mit uns entwickelt haben, übrigens auch die wirklich gelungene Broschüre. Merci beaucoup!
Aber verlassen wir nun die Geschichte und schauen in die Gegenwart: wie jede Organisation, wie jedes Unternehmen, muss auch ein Verband sich selbstkritisch fragen: -waren- und sind- wir- wirksam? Erreichen wir unsere Ziele? Jetzt hilft es erstmal zu klären, was die Hauptziele eines Verbandes überhaupt sind. Ganz profan ist es „die Interessensvertretung“. Klar. Ja gut. Das klingt so einfach. Dahinter gibt es jedoch mindestens 3 Hauptziele: 1. Verstehen was in der politisch-regulatorischen Ebene passiert und 2. Der Politik (u. Gesellschaft/Stakeholdern) zu Kommunizieren und zu Erklären warum die eigenen Verbandsthemen (überhaupt) relevant sind – Das 3. Ziel: Und das ist gewiss entscheidend: Regulatorik positiv für die eigenen Themen beeinflussen oder zumindest Verschlechterungen (!) für die eigene Industrie verhindern.
So, nun zurück zur zentralen Frage: waren wir bzw . sind wir wirksam (gewesen)?
Die Antwort: Ja! Aus meiner und unserer Sicht sind wir wirksam. Denn: wir sind beim Thema Selbständigkeit von der Defensive in die Offensive gekommen. Unsere Themen sind einem Großteil gut informierter Politik bekannt. Wir haben Begriffe wie Wissensarbeit – übrigens im Ursprung an den Erfinder des modernen Managements Peter Drucker angelehnt – im Kontext von Selbständigkeit geprägt. In breiten Teilen ist eine volkswirtschaftliche Bedeutung von Solo-Selbständigkeit bei vielen MdBs und Stakeholder verstanden, es ist kein Randthema mehr, es ist thematisch breit präsent. Und dennoch sind wir demütig: unser Endziel ist gewiss noch nicht erreicht. Aber wir haben einen guten Weg genommen unsere Interessen stark einzubringen!
Wenn man bedenkt, dass wir mit unserem „Nischen Themen“ – wie es viele im politischen Raum anfänglich bezeichnet haben – seit 2016 in JEDEM Koalitionsvertrag thematisch vertreten waren. Entweder im Kontext „Reformierung Statusfestellungsverfahren“ oder allg. „Schaffung von mehr Rechtssicherheit für Selbständige“. Wenn wir wirksam waren, dann sicherlich niemals alleine, das ist klar, sondern immer in einem engen Netzwerk mit Mitstreitern und neuen Initiativen in einer engen Zusammenarbeit. Flankiert haben wir unsere politische Arbeit immer stark und klar mit Studien und Marktanalysen, die das gesamte Spektrum abdecken. So dass hinter jeder These und Botschaft auch knallharte Empirie und wissenschaftliche Fundierung steckt. Wir wollten nicht einfach Narrative in die Welt rausschleudern, sondern Fakten kommunizieren. Diese Transparenz und der offene, von unserer Seite hoffentlich meist ideologiefreie Dialog – sofern es das überhaupt gibt – ist uns bis heute wichtig.
Und tatsächlich empfinde ich es jetzt fast schon als „persönliches Geschenk“ für uns, dass sich just in unserem Jubiläumsjahr 2026 das BMAS nun endlich dieses wichtigen Themas erneut annimmt. Und glaubt mir: sie würden sehr gerne darauf verzichten. Vor knapp 11 Wochen kam ein erster Entwurf – wenn auch über Medien geleakt – für eine erneute Reform auf den Tisch. Dieser Entwurf wird auch morgen bei unserem Partnerformat „Freelance Unlocked“ – daher haben wir uns nicht ohne Grund terminlich synchronisiert – am vormittag erneut Thema sein, wenn BMAS Staatssekretärin Lilian Tschan vor Ort darüber sprechen wird. Silke Du wirst uns freundlicherweise auch in einer Podiumsdiskussion morgen repräsentieren. Lieben Dank! Heute haben wir in einer Verbandsitzung mit dem Haupt-Architekten des Entwurfs aus dem BMAS gesprochen, auch das war sehr ehrlich und konstruktiv. Details dazu gerne im 1:1 wen es hier interessiert.
Nur kurz zum Entwurf: auch dieser hat leider sehr viele Konstruktions- Schwächen, keine Frage, und er wird so ohnehin nie umgesetzt werden, das weiß auch das BMAS. Was dennoch zählt: wir wertschätzen und freuen wir uns über das progessive „Change-Mindset“ dahinter. Denn das Pendel schlägt zum ersten Mal wieder in die richtige Richtung aus – nämlich Pro-Selbständigkeit.
Und all das und viel mehr was in den letzten zehn Jahren geschehen ist zeigt uns eins ganz klar:
„Egal wie stark der Wind weht – gemeinsam halten wir jedem Sturm stand und bewegen das was möglich ist, Stück für Stück“.
In diesem Sinne: Lasst uns das auch für die Zukunft beherzigen und heute gemeinsam feiern! Ich möchte wie gesagt an dieser Stelle meinen Vorstandskollegen Silke und Jan, unseren Mitgliedsvertretern, vor allem Björn Sacknieß und Team in der Geschäftsstelle danken, zudem meinem eigenem Team mit Georgia und Lorena, aber natürlich auch nochmal allen Mitstreitern die ich hier aus Zeitgründen nicht alle erwähnt kann.
Ich bin mit meinem Teil jetzt am Ende, aber wir sind in Summe noch nicht am Ende der offiziellen Teils. Ich hoffe ihr habt euer Magensaftmanagement im Griff.
Also wir offen in unsere großes Netzwerk und Partner-Runde gefragt haben, wer denn heute abend zu unserem Verbandsjubiläum sprechen würde, war klar, dass wir sehr gerne Stimmen aus der Auftraggeber, Auftragnehmer bzw. Selbständigen Welt gerne zu Wort kommen lassen würden. Jetzt freue ich mich sehr auf Dilek Haupt welche für die Auftraggeber Dimension spricht und Helge Meyer der sogar in 2 Identitäten unterwegs ist, als IT Freelancer und Vorstand des DBITS. Begrüsst bitte freundlich die beiden mit mir.“